Vorgeschichte von Tunesien

Östlich von der Stadt Gafsa in Tunesien wurden bereits Spuren von Jägern und Sammlern aus der Altsteinzeit entdeckt. Im Norden Afrikas lebten die Menschen kulturell erst im Ibéromaurusien und dann im Capsien. Antike Historiker haben aus der Capsien-Zeit Skelette und Werkzeuge entdeckt, die vermutlich zur Herstellung von Kleidung aus Tierhäuten dienten. In der Jungsteinzeit entstand die Sahara und Berber wanderten nach Tunesien ein. Die Phönizier aus Tyros, die später das karthagische Reich gründeten, begannen Tunesien zu bevölkern.

 

Karthago und Rom
814 v. Chr. wurde die Stadt Quart Ha­dasht (Karthago) von Phöniziern gegründet. Der Legende nach, seien die Phönizier mit ihrer Prinzessin Elyssa aus der Heimatstadt Tyros geflüchtet. 409 v. Chr. gab es einen Wettstreit zwischen den Karthager und den Griechen, um die Herrschaft über Sizilien. Die Schlacht von Himera dämpft Karthagos Expansionsgelüste. 270 v. Chr. bis 146 v. Chr. fanden drei Kriege statt, in denen die Punier erfolglos versuchten Rom zu bekämpfen. Daraufhin wird Karthago dem Erdboden gleich gemacht. 44 v. Chr. wird Karthago wieder die Hauptstadt des römi­schen Africa Proconsularis. In der gesamten Kolonie werden römische Städte gegründet. Mit Landgütern werden Öl und Getreide nach Rom geliefert. 238 n. Chr. kommt es durch den Aufstand der Grundbesitzer von Thysdrus (El-Djem) gegen zu hohe Steuern zum  Niedergang der blühenden Kolonie in Tunesien. In dieser Zeitepoche breitet sich das Chris­tentum aus.   
 
Vandalen, Byzantiner und Araber

439 wird Karthago von germanischen Vandalen erobert und zer­stört. Die Vandalen werden 534 vom byzantinischen Feldherr Belisar besiegt. Der Islam breitet sich im Jahre 670 durch Oqba ibn Nafi und sein arabisches Heer in Tunesien aus. Die tunesische Stadt Kairouan wird gegründet. 698 wird zudem das byzantinische Karthago von den Arabern erobert. Im 8. Jahrhundert gehen die Proteste der Berber unter der Herrschaft der Fürstin Kahina zu Ende. Nun zählt Tunesien (genannt Ifriqya) zum Omayadenreich, das von Damaskus regiert wird. Ab dem Jahr 750 übernimmt die in Bagdad regierende arabische Abbasidendynastie die Herrschaft über das Omayadenreich. Die berberstämmigen Aghlabiden gründen im Jahre 800 als Statthalter der abbasidischen Regierung in Tunesien ein unabhängiges Reich und besiegen und besetzen Sizilien.

In der Blütezeit der Aghlabiden-Epoche werden die große Moschee von Kairouan und viele andere imposante Bauwerke erbaut. 909 werden die herrschenden Aghlabiden von den schiitischen Fatimiden unter der Führung von Obeïd Allah geschlagen. Mahdia wird als die neue Hauptstadt Tunesiens ernannt. Ab jetzt regieren die berberstämmigen Ziriden als Statthalter, während die Stadt Kairo von den schiitischen Fatimiden etabliert wird. Als die Ziriden sich im Jahre 1048 von den Fatimiden lösen, werden sie dafür mit dem Angriff der Beni Hillal und Beni Sulayn brutal und gnadenlos bestraft. Auf Befehl der Fatimiden wird Nordafrika zerstört. Kairouan und viele andere Städte werden verwüstet. Durch die nun bestehende Herrschaftslosigkeit an der Küste können sich die Normannen und Genueser ansiedeln. Im 12. und 13. Jahrhundert kehrt durch den berberstämmigen Almohaden aus Marokko in Nordafrika Frieden ein. Die Hafsiden, die stellvertretend für die berbischen  Almohaden Tunesien beherrschen, schaffen es 1230, ein autonomes tunesisches Reich entwickeln. Ca. 300 Jahre lang wächst Tunesien konstant wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich.

 

Tunesien unter osmanischer Herrschaft

1534 erobert der Seeräuber Barbarossa mit türkischer Unterstützung viele nordafrikanische Städte. Etwa 40 Jahre danach gehört Tunesien zum Osmanischen Reich (1974). Jetzt verwalten Militär- und Verwaltungsbe­amte (Deys und Beys) das Land. Durch die Gründung der Dynastie der Husseiniten unter Bey Hussein Ibn Ali im Jahre 1705, wird Tunesien unabhängig von Konstantinopel beherrscht. Die Unabhängigkeit stärkt den Handelsverkehr zu europäischen Ländern. Das Land gelangt immer mehr zu Autonomie und Reichturm. Bis 1957 herrscht die Dynastie der Husseiniten über Tunesien.

 

 

 

 

Die Kolonialzeit

Mit dem Scheingrund den Husseiniten bei osmanischen Angriffen unterstützen zu wollen, kommen 1836 französische Truppen nach La Goulette. Tat­sächlich aber versuchen die Franzosen immer mehr Einfluss auf die Husseinitenherrscher zu nehmen, bis Tunesien letztendlich wirtschaftlich vollkommen von europäischen Ländern, insbesondere von Frankreich abhängig ist. 1881 wird im Vertrag von Barbo die Alleinherrschaft der Franzosen in Tunesien festgelegt. Doch bereits Anfang des 20. Jahrhunderts protestieren die jungen Intelektuellen gegen die französische Herrschaft in Tunesien. Erst entsteht die Organisation „Jungtunesier“ und dann die Destour-Partei. Die radikale Néo-Destour setzt sich 1934 ab. Ihr Füh­rer ist der Rechtsanwalt Habib Bourguiba, der bis 1955 im Exil ist und dann wieder nach Tunesien zurückkehrt. Durch den Widerstand gegen die französische Besatzung, wird dem tunesischen Volk Autonomie in inneren Angelegenheiten bewilligt.

 

 

 

Die Unabhängigkeit

Am 20. März 1956 wird Tunesien ein unabhängiges Land unter der Führung des Präsidenten Habib Bourguiba. Politisch ist der Staat sozialistisch ausgerichtet. Es folgt die Verstaatlichung französischer Besitztümer, das Verbot von Polygamie sowie die Gleichstellung von Mann und Frau. Die starkausgeprägte autoritäre Art des Präsidenten Bourguiba und die Wirtschaftskrise des Landes, führen in den 1970ern zu zahlreichen Protesten. Als Bourguiba sich 1974 schließlich als Präsident auf Lebenszeit erklärt, versucht das Militär ihn zu stürzen, aber ohne Erfolg. Am 7. November 1987 reißt Premierminister Zine el-Abidine Ben Ali die Herrschaft an sich, indem er Bourguiba von Ärzten für regierungsunfä­hig erklären lässt. Unter der Führung von Ben Ali ist die wirtschaftliche Lage in Tunesien zwar äußerst liberal und gewinnbringend, allerdings herrscht in Tunesien Repression. Im Dezember 2010 beginnt dann die „Jasmin-Revolution“ (Arabischer Frühling). Der Volksaufstand im Jahre 2011 trägt zum Sturz des Präsidenten Ben Ali bei. Das Leben in einem demokratischen Land beginnt.

Freunde teilen